Sich masochistisch in den Qualen verflossener oder vergeblicher Liebschaften zu suhlen ist gefährlich. In meinen Liebeskummer-Gedichten suche ich daher nach Ventilen, die Überwindung ermöglichen, ohne die Liebesfähigkeit einzubüßen; dabei können auch Bitterkeit und Sarkasmus als Krüken dienen. Programmatisch sind die Titel: Beschluss kreuzt die Klingen eines Lösungeskampfes, gib auf sucht nach Ablösung aus Nachwehen, Gedeih und Verderb aus einer existentiellen Krise. Das Epigramm am Ende warnt vor dem Hängenbleiben in der dafür besonders prädestinierten ersten Liebe.
Beschluss
wenn du mich liebtest
wie ich dich
wär ich schon verloren
wenn ich dich liebte
wie du mich
killten wir uns quer
wenn du dich liebtest
wie ich mich
gäb es Mord und Totschlag
wenn ich mich liebte
wie du dich
würde ich Sadist
einander lieben
missmögliche Unrettung
unmögliche Missrettung
wenn wir
gib auf
alte Liebe die nicht rosten soll
im Band von Gedächtnis und Verkettung
Vergangnes dessen Freuden sein mögen
präsente Leiden im recht und billig
vollgeschwätzgeschwängert bis zur Unpräsenz abortiert
gib dies Leiden auf
als geschwiegene Flaschenpost
gib dies Lieben auf
als Präsent ohne Wiederkehr
notfalls nirgendwo
falls Not irgendwo
im billigen Präsenz
Anzeige:
Gedeih und Verderb
lass mich ans Kreuz nageln
Herr Richter
und elendig verrecken
weil es gerecht ist
dass ein Aas der Gemeinschaft
auch als Aas sterbe
aber verspreche mir keine Begnadigungen
während ich friedlich verröchle
stelle mir die endgültige Diagnose
Herr Doktor
und nenn mir die Frist
weil es gerecht ist
wenig vom Sterben zu haben
wenn man wenig vom Leben hatte
aber verheiße mir keine Genesungen
während ich mich verabschiede
geh fort
meine Liebste
und zerreiß mich
weil uns recht geschieht
wenn wir die Liebe modern ließen
und ich dir stinke
aber dreh den Deckel nie mehr um
hinter dem ich uns beende
seit Tag und Jahren
mein Leben kriecht
in Letterndruck verfahren
als Fußnote versiecht
zu einer Liebe
zur ersten Liebe
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