Zu gewissen Lebens- und Jahreszeiten oder wenn es ihn schlicht erwischt hat, suchen fast jeden Menschen poetische Anwandlungen heim, die auch in Gedichte ergossen werden. Sie drehen sich meist um Ausdruck und Mitteilung der persönlichen Gefühle, Werbung und Baggern. Doch zu einem tatsächlichen Liebesgedicht, das nicht ausschließlich Formeln enthält und für persönlich Betroffene von Interesse ist, werden Verse nur, wenn sie die Subjektivität in Bildlichkeit, Ton und Aussage sublimieren. Diesem Anspruch möchte ich mich hier mit vier Texten stellen: Ich bin ein Traum, Wartestellung, Einladung und Zweins.
Ich bin ein Traum
und kann nur sein aus dir.
Wie du erlebst
dein Grauen und die Wollust
in meinen Bildern,
bin ich lebendig,
wenn du mein Scheinen ansiehst
in Schlaf und Tag.
Denn sonst erlösche ich
in Morgens Bö.
Wartestellung
fast blind darf ich und
ohne Worte selig sein
weil du mich erhörtest
so wie du mich gefesselt hast
ob zum Spiel ans Bett
oder fern dir in den Nächten
eingefangen oder allein gelassen:
dir muss ich harren
nur du weißt
wo ich in deinen Banden
anstatt deinen Armen liege -
sie halten mich, ich halte sie
kommst du wieder
umschlinge mich noch fester;
pass auf dich auf
und eile nicht
Anzeige:
Einladung
Komm zu mir
wenn dir zwischen gerafften
Sekunden die Seele zerspellt
wenn habgierige Pflichten
an deinem Lächeln nagen
Komm zu mir
ich will dir eine Wiese sein
spiele mit sanften Faltern
kuschle dich ins Gras
wo Lerchen über dir singen
Zweins zwei Ganzes in dem einen Ich gegensätzlich fugt zusammen immer spendend und empfangend |
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