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Haiku und Senryu

Die japanische Kurzgedichtform Haiku ist weltweit populär geworden. Inhaltlich ist man sich einig, was ein Haiku ausmacht: Gebundenheit an Natur und Jahreszeit, unmittelbare Sinnlichkeit unter Abwendung vom reflektierenden lyrischen Ich. Ob und wie das formale Muster - drei Verse mit fünf, sieben und wieder fünf Silben - in anderen Sprachen sinn- und zweckmäßig ist, bleibt hingegen überall umstritten. Formale Beliebigkeit wäre für den strengen inhaltlichen Rahmen nicht adäquat, öffnete Missbrauch dieser sensitiven Lyrik die Türen. Daher plädieren meine Beispiele für die Nachahmung der formalen Vorgaben des Japanischen, auch wenn der deutschen Metrik das Silbenzählen fremd ist. Dies wahrt einen Hauch der Fremdheit, korrespondiert mit der Intention des Haiku, einen überraschenden Blick zu eröffnen und eben nicht nur ein schmucker Aufkleber für lyrisch gewollte Gefühls- und Gedankensplitter zu sein. - Einen kurzen Rundflug durch die vier Jahreszeiten durchlaufen meine Haiku: Mit einer Wagneropern übergurrenden Frühlings-Taube, einer Sternschnuppen-Fliege des Sommers, matten Fliegen im Herbst und winzigen im Winter.
Senryu ist eine mit dem Haiku formal irdentische Variante, die sich jedoch von dessen inhaltlichen Gebundenheiten löst und bevorzugt satirische und erotische Sujets pflegt. Drei Beispiele des letzteren stehen hier: ein Wortspiel um einen sinnlichen Hauptfetisch, ein dezentes Begehren und eine intime Preziose.

 

durch den Fensterspalt,
zu Tristan und Isolde,
gurrt eine Taube

 

eine Sternschnuppe
scheint die Fliege, die hinter
der Kerze abstürzt

 

die matten Fliegen
kommen ins warme Zimmer,
um sanft zu sterben

 

diese winzigen
Fliegen mitten im Winter:
so leicht zu töten

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Nicht nur um Finger,
sogar um deine Stöckel
kannst du mich wickeln!

 

Nie der Fuß, aber
das Lächeln der Nachbarin
betritt schon mein Heim.

 

Der Kosefinger
beim einen Lippenpaar malt
Lächeln aufs andre.

 

 

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