Die hohe Kunst dankt es sicher nicht, umso mehr das werte Publikum, wenn man angelegentlich ein paar Reime für Geburtstagskinder einstreut. Durch die Blume gratuliert und glückwünscht einleitend allgemein, gefolgt von bedeutsam runden Daten. Zum 18. brennen Volle Lampen, ein Doppel feiert die berüchtigte Drei vor der Null: Trost zum 30. Geburtstag und Nachrichtenlage zum Dreißigsten. 35 ist hingegen eine persönliche Reflexion, zum halben Jahrhundert heißt es aber wieder Heute sollen nicht nur 50 Kerzen... 80 - na und? beschließt die lebensläufige Gratulationstour. Den Beschluss bildet wieder ein allgemeines Verslein, das die misslingende Plackerei eines Geburtstagsreimers karikiert: Mein erstes Geburtstagsgedicht.
Durch die Blume
Ein Strauß, der Duft und Farbe eint,
er lacht dich an aus dieser Runde,
wünscht dir zu dieser Feier-Stunde
all jenes, was dir schön erscheint.
Doch welken Blumen bald schon hin,
sei du davon noch nicht betroffen.
Humor, ein froher, bunter Sinn
hält dich am Blühen, und du bleibst offen!
Volle Lampen
Die 18 ist dem Vollmond gleicher
als oft im Leben man gedacht:
Die Beiden machen es zwar reicher,
doch bleibt man schlaflos manche Nacht.
Vollmond beginnt indes zu schrumpfen,
volljährig bist du voll am Zug,
kannst endlich durch die Nächte sumpfen -
zum Schlaf kommt tote Zeit genug.
Trost zum 30. Geburtstag
Bist traurig du und down,
die 30 dir schon lang ein Graun?
Meinst du, die Jugend sei vorbei,
der Rest Alteisen-Einerlei?
So denkt sich alt doch nur dein Hirn,
und das verrunzelt dir die Stirn!
Be happy und sei endlich heiter,
nicht erst mit 60 viel gescheiter:
Denn 30 ist noch unten auf der Leiter.
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Nachrichtenlage zum Dreißigsten
Schlechte Nachricht:
Man muss es wohl verschrein,
jetzt mit Dreißig
sollst du erwachsen sein!
Gute Nachricht:
Sei nicht zu sehr beklommen,
hast zehn Jahre
Aufschub geschenkt bekommen.
35
geworden
kein Frühlingskind mehr
nur noch ein Aprilnarr
ausgebreitet und festgelegt in
Biographie und Kammer
sounwohl alsauchschlecht
für Wärme und Kälte isoliert
draußen fallen dicke Flocken
auf ausschlagende Zweige
kratzen an Glas
tupfen verkrauchte Knospen an
wirbeln zwischen programmreichem Satellit
und durch Empfangsschüsseln auf überzuckerten Dächern
bis in den Fernsehschirm
noch klirrt kein Frost
noch ist der Film erkenntlich
bald lecken feuchte Böen
den weißen Spuk hinweg
trunken von alten Küssen und Weinen
mehr schon als Hälfte
des Lebens vergeben
Heute sollen nicht nur fünfzig Kerzen...
Heute sollen nicht nur fünfzig Kerzen,
sondern auch die Lampen bunter brennen!
Gratulieren wollen wir von Herzen,
flugs durch deine Lebenskurven rennen.
Lieber [Name], leugnen hilft dir nicht,
warst mit Zwanzig ein gar loser Wicht.
Doch mit Dreißig schlug dein Ruder um,
für Karriere machtest du dich krumm.
Da mit Vierzig die Erfolge sprossen,
sei dein Leben jetzt nur noch genossen.
Weiter wünsch' ich Glück, Gesundheit, Wohlergehen
und beim nächsten Runden frohes Wiedersehen!
80 - na und?
Liebe/r [Name],
nun wirst du 80 Jahre heute,
es führt kein Weg daran vorbei.
Versammelt sind hier viele Leute,
doch ist die Zahl dir einerlei.
Du bist, aus junger Sicht betrachtet,
mit 80 auf der Höh' und weise;
was du als wichtig hast erachtet,
erstrebst du immer still und leise.
Mit viel Gesundheit und viel Liebe
hast du gesammelt Jahr um Jahr,
und immer voll vom Lebenstriebe
fühlst du dich dabei wunderbar.
Liebe/r [Name],
ich wünsch' dir einen tollen Tag,
dem viele schöne folgen sollen,
und lass nun meinen Wörter-Quark
bevor er dir gerät zum Grollen.
Mein erstes Geburtstagsgedicht
Zum Geburtstag ein Gedicht,
das sei nun für dich begonnen!
Solche Gabe gab's noch nicht
von mir selbst, ich will nicht schonen
Hosenboden und Reimepflicht.
Will dir schöne Worte sagen,
schmuck, doch wahr! Zu unsrem Ruhm
solln sie schlanke Versfüß' tragen,
die bestünden Dudens Zoom.
Und natürlich Glück dir wünschen.
Schön und nötig hier dies Wörtchen:
wünschen, doch was darauf reimen?
Zettelknüllen, mich fest dran leimen
hilft nicht - fort aufs stille Örtchen,
bis sich dort die Kacheln tünschen.
Nun ist's schon geschehn: Die Reime
werden immer schlimmer, im Schleime
rutsch ich und was mach ich bloß?
Selbst im Kulli steckt ein Kloß!
Deshalb jetzt nur noch ein kurzer Spruch:
Trag' Geburtstag und Gedicht wie ein Mann;
Alter und Lyrik sind nicht immer Fluch.
Doch reiche bitte gleich mir Glas und Tuch,
damit den Durst und Schweiß ich löschen kann.
Der tut arg aus meinen Drüsen schießen,
seit die coolen Musen mich verließen.
Hach, für dich und mich zum Glück ist Ende,
mit Wisch und Prost zu dir ich endlich wende!
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